Demenz: Wer haftet für Schäden?

Demenz: Wer haftet für Schäden?

15. September 2017

Rund 1,6 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Demenz, einer Erkrankung des Gehirns. Und es werden stetig mehr, denn unsere Gesellschaft wird immer älter. Laut Experten soll sich die Zahl der Demenzkranken bis 2050 nahezu verdoppeln. Was gilt es in Sachen Versicherungen zu beachten, wenn ein Familienangehöriger an Demenz erkrankt? Darüber informiert uns Stefan Köhlbach im Interview.

Warum gibt es bei Demenzkranken ein hohes Schadensrisiko?

Wer von Demenz betroffen ist, hat häufig Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis und leidet an zunehmender Orientierungslosigkeit. Sei es der nicht abgedrehte Wasserhahn, der einen Wasserschaden in der Nachbarwohnung anrichtet, oder die ältere Dame, die blindlinks über die Straße läuft und einen Unfall verursacht: Im Alltag von Demenzkranken gibt es immer wieder Situationen, die zu Personen- oder Sachschäden führen können.

 

Haften Demenzkranke überhaupt für Schäden, die sie verursacht haben?

Wenn die Demenz soweit fortgeschritten ist, dass die Person deliktunfähig ist, kann sie auch nicht haftbar gemacht werden. Deliktunfähig heißt, dass der Demenzkranke sein Handeln nicht mehr kontrollieren kann und somit nach dem Gesetz auch nicht für die Folgen seiner Taten verantwortlich ist.

 

Lohnt es sich dennoch, Demenzkranke mit einer Privathaftpflicht abzusichern?

Das lohnt sich auf jeden Fall. Eine Privathaftpflichtversicherung ist auch für Demenzkranke sinnvoll, die deliktunfähig sind. Denn hier wirkt die Privathaftpflichtversicherung wie eine Rechtsschutzversicherung. Anstatt den Schaden zu zahlen, wehrt der Versicherer dann die unberechtigten Schadenersatzansprüche ab.  Es gibt aber auch Privathaftpflichtversicherungen, die für Schäden aufkommen, obwohl der Verursacher deliktunfähig war. Dabei geht es vor allem um Schäden, die der Demenzkranke bei Freunden, Bekannten oder Nachbarn verursacht hat. Denn bleiben diese auf den Kosten „sitzen“, kann der Vorfall die freundschaftliche oder nachbarschaftliche Beziehung stark belasten.

 

Können Angehörige für Schäden durch Demenzkranke haftbar gemacht werden?

Auch das ist ein weiteres Argument für die Privathaftpflichtversicherung. Denn in bestimmten Fällen können Familienangehörige durchaus für Schäden durch Demenzkranke haftbar gemacht werden. Und zwar, wenn Angehörige eine Aufsichtspflicht haben und diese nachweislich verletzen. Ist ein Angehöriger als amtlicher Betreuer bestellt und hat die volle Personensorge für den Dementen übernommen, so trifft ihn die Aufsichtspflicht. Auch für den Haushaltsvorstand kann in Einzelfällen eine Aufsichtspflicht bestehen. Ist eindeutig abzusehen, dass der Demenzkranke einen Schaden verursachen wird, ist der Haushaltsvorstand in der Regel in der Pflicht, dies zu verhindern.

 

Was sollten Demenzkranke und Angehörige in Sachen Haftpflichtversicherung beachten?

Egal ob bei einer neuen Versicherung oder einem laufenden Vertrag: Wird eine Demenz diagnostiziert, sollten Betroffene und Angehörige in jedem Fall prüfen, ob Schäden durch deliktunfähige Demenzkranke durch die Police abgedeckt sind. Denn viele Haftpflichtversicherungen kommen für Schäden durch deliktunfähige Personen, wie Demenzkranke, nicht auf.

 

Wie sieht das bei der AachenMünchener Versicherung aus?

In der Privathaftpflicht OPTIMAL der AachenMünchener sind an Demenz erkrankte Angehörige, die im Haushalt des Versicherten leben, ohne Mehrbeitrag automatisch mitversichert. Und das unabhängig davon, ob der Demenzkranke für seine Taten haftbar gemacht werden kann oder wegen der Krankheit laut Gesetz deliktunfähig ist. Diese Schäden durch deliktunfähige Angehörige im Haushalt versichern wir mit bis zu 50.000 Euro. Dazu gehören auch Situationen, in denen sich der Versicherte trotz anderer Rechtslage in der moralischen Verpflichtung sieht, einen Schaden auszugleichen.

Bild: oneinchpunch/istock

 

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