Ecotourism: Was steckt hinter dem umweltfreundlichen Reisetrend?

Ecotourism: Was steckt hinter dem umweltfreundlichen Reisetrend?

8. November 2017

Laut UN gab es im Jahr 2015 1,2 Milliarden Touristen. Reisen ist zum Mainstream geworden. Nie zuvor waren auch weit entfernte und exotische Reiseziele so leicht zu erreichen wie heute. Gleichzeitig schätzt die Organisation, dass ganze 5 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen auf das Konto des Tourismus gehen. Besonders Flugreisen und Kreuzfahrten hinterlassen einen gewaltigen CO2-Fußabdruck. Hier kommt Ecotourism ins Spiel – ein Plädoyer für umweltfreundliches Reisen.

Dem Thema Ökotourismus widmet sich auch die World Tourism Organization der UN, kurz UNWTO, die drei Kriterien für das nachhaltige Reisen nennt:

  • umweltfreundliche Praktiken, wie den Verzicht auf Plastik
  • den Erhalt von Kultur und Natur, beispielsweise Sehenswürdigkeiten und Nationalparks
  • die Unterstützung der ortsansässigen Gemeinschaften durch die Beschäftigung von Einheimischen und den Erwerb regionaler Produkte

Die Zielgruppe der UNWTO-Kampagnen sind Reiseveranstalter, Hotels, Fluglinien, Kreuzfahrtanbieter sowie die Urlauber selbst. Sie alle sind angehalten, ihre Reisegewohnheiten vor dem Hintergrund der alarmierenden Klimaerwärmung zu überdenken und anzupassen.

Von A nach B

Ein Kernproblem des Tourismus ist der energieaufwendige Transport. So entfallen alleine 4 Prozent der globalen CO2-Ausstöße auf die gesamte Mobilität. Besonders Flugzeuge und Autos punkten negativ. Ein Grund für die UNWTO, mit Fluglinien über klimaschonende Veränderungen zu sprechen. Doch was kann der einzelne Urlauber tun? Eine Möglichkeit besteht darin, auf Reisen mit vielen Anschlussflügen zu verzichten, denn die meiste Energie verbraucht ein Flugzeug beim Start. Ein langer Flug ohne Umsteigen ist daher mehreren kurzen Flügen hintereinander vorzuziehen. Noch besser ist es allerdings, ganz auf den Lufttransport zu verzichten und auf Bahn und Fahrrad zu setzen.

Besonders in Europa fördern viele Metropolen die autofreie Innenstadt und bieten kostengünstig Leihfahrräder an. Perfekt geeignet für die Erkundung per Zweirad sind unter anderem Amsterdam, Kopenhagen, Malmö und Sevilla.

Grün und stilvoll residieren

Große, abgelegene Urlaubsresorts gehen häufig ebenfalls mit klimabelastenden Faktoren einher: Hohe Energiebedarfe, ressourcen-intensive Gästebetreuung mit Wasser und Lebensmitteln sowie ein großer Bedarf an Importprodukten tragen zur negativen Ökobilanz bei. Dass es auch anders geht, machen Unterkünfte wie die Bisate Lodge am Volcanoes National Park in Ruanda vor. Die Lodge, die maximal zwölf Gästen Platz bietet, ist in etliche lokale Projekte involviert und hat sich dem Schutz der frei lebenden Berggorillas in der unmittelbaren Umgebung verschrieben. Die Muttergesellschaft von Bisate forstet rund 27 Hektar des gefährdeten Lebensraums der Gorillas wieder auf, beschäftigt hauptsächlich Einheimische und verkauft in den Souvenirläden nur lokale Produkte.

Aber auch Hotels außerhalb Afrikas, die nicht in der wilden Natur gelegen sind, haben sich mittlerweile dem Ecotourism verschrieben. Förderliche Maßnahmen sind etwa der Verzicht auf das tägliche Waschen von Handtüchern und Bettwäsche sowie die Installation von wassersparenden Duschköpfen.

Angucken, aber nicht anfassen

Doch Ökotourismus geht noch weiter und stellt ganz besonders den Respekt vor der Natur und anderen Kulturen in den Vordergrund. „Nimm nichts mit außer Fotos, hinterlasse nichts außer Fußspuren, schlage nichts tot, außer der Zeit“, lautet eine bekannte Reise-Maxime. Doch wie genau kann das in der Realität aussehen? Viele Reiseveranstalter sind dazu übergegangen, Touren und Aktivitäten aus ihrem Programm zu nehmen, die Tiere und Menschen ausbeuten und zu reinen Entertainment-Faktoren degradieren. Anstatt Tier-Shows zu besuchen bekommen Urlauber die Gelegenheit, Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten.

Reiseveranstalter bieten darüber hinaus immer mehr CO2-neutrale Touren an, die auf umweltfreundlichen Transport durch einheimische Unternehmer setzen und das Verständnis der Touristen für die gesellschaftlichen und klimatischen Herausforderungen vor Ort wecken. Neben der Umwelt geht es der UNWTO speziell um den Schutz der einheimischen Bevölkerung, die am Tourismus in ihrer Heimat verdienen und möglichst keine Abstriche in Sachen Lebensqualität machen soll. Nur wer sich dieser Probleme bewusst ist, kann seine nächste Reise anders gestalten als üblich – und seinen Fußabdruck auf Reisen so klein wie möglich halten.

Bild: AbdukadirSavas/istock

 

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