29. Februar: Ein geschenkter Tag

29. Februar: Ein geschenkter Tag

29. Februar 2016

Heute ist Schalttag – ein alle vier Jahre wiederkehrendes Phänomen, welches uns einen Tag mehr im Jahr schenkt. Doch wieso ist das so? Die Natur hat festgelegt, dass zwischen zwei Frühlingsanfängen 365,2422 Tage und zwischen zwei Vollmonden 29,5306 Tage liegen. Da wir aber nur mit ganzen Tagen rechnen, werden die abweichenden Stunden am Schalttag wieder ausgeglichen.

Einen Tag mehr zu haben bedeutet gleichzeitig auch mehr Zeit zu haben. Zum Beispiel für all die schönen Dinge im Leben, die man gerne macht. Denn wir leben länger, als wir denken. Das glaubst Du nicht? Dann mach doch den Test und schau wie hoch Deine Lebenserwartung ist: http://www.7jahrelaenger.de/

Und woran das liegt, erfährst Du heute in unserem AachenMünchener-Blog:

  1. Medizinischer Fortschritt Ohne medizinische Verbesserungen wäre ein längeres Leben kaum denkbar. Dies zeigt sich u.a. in den Erfolgen zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit, die am Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem deutlichen Anstieg der Lebenserwartungen führte. Aber heute geht die Verlängerung des Lebens zu fast 80 % auf das Konto einer sinkenden Sterblichkeit bei den über 65-jährigen. Was ist hier so entscheidend? Vor allem der Fortschritt bei der Prävention und der Behandlung typischer Altersleiden wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Chance einen Herzinfarkt zu überleben hat sich z.B. in den letzten 40 Jahren verfünffacht.
  2. Steigender Wohlstand Ein internationaler Vergleich zeigt: Am ältesten werden die Menschen in den entwickelten und wohlhabenden Ländern. Je wohlhabender das Land, desto entwickelter ist in der Regel auch das Gesundheitssystem. Denn es steht mehr Geld zur Verfügung für die medizinische Infrastruktur, für die Behandlung und Erforschung von Krankheiten, aber auch für die gesundheitliche Aufklärung und Prävention.  Aber auch die politische und soziale Stabilität ist gegeben: Bürgerkriege, Seuchen oder Hungersnöte, die in Entwicklungsländern die Lebenserwartung senken, sind selten. Und: Der steigende Wohlstand verbessert auch die Lebensbedingungen jedes Einzelnen. Und das erhöht die Lebensfreunde – ein wichtiger Faktor für ein langes, zufriedenes Leben.
  3. Verbesserte Hygiene Sauberes Trinkwasser, flächendeckende Sanitäreinrichtungen und eine geregelte Abwasser- und Müllentsorgung haben dazu beigetragen, gefährliche Infektionskrankheiten nahezu auszulöschen. Das war im 19. Jahrhundert anders: Cholera, Tuberkulose oder Typhus forderten zahlreiche Todesopfer. Somit steht fest: Ein Anstieg der Lebenserwartung ist ebenfalls auf verbesserte hygienische Bedingungen zurückzuführen.
  4. Gesündere Lebensweise Begünstigt wird ein langes Leben von ausgewogener Ernährung, viel Bewegung und der Verzicht von Alkohol und Zigaretten. Wir haben es teilweise also selbst in der Hand, wie alt wir werden. Und die Deutschen leben immer gesundheitsbewusster als früherer Generationen. Denn während der Obst- und Gemüsekonsum pro Kopf sich fast verdoppelt hat, ist der Fleisch- und Alkoholkonsum deutlich gesunken. Ein weiterer Beleg für eine gesündere Lebensweise ist der rückläufige Zigarettenkonsum. Zugleich treiben die Menschen heute mehr Sport – auch noch bis ins hohe Alter.
  5. Humanere Arbeitsbedingungen Zu Beginn der Industrialisierung mussten die Arbeiter noch große Strapazen ertragen: weite Wege zu den Fabriken, lange Arbeitszeiten und harte Arbeit. Wochenenden gab es nicht und die Arbeitszeit erstreckte sich oft über sieben Tage und lag bei rund 80 Stunden pro Woche. Dementsprechend war der körperliche Verschleiß groß und hatte den frühen Tod zur Folge. Genauso spielte der Arbeitsschutz kaum eine Rolle, so dass viele Arbeiter tödlich verunglückten.Heute ist das undenkbar: Viele gefährliche und körperlich anstrengende Berufe gibt es heutzutage nicht mehr und zugleich wird der Arbeitsschutz deutlich größer geschrieben. Haarklein wird in etlichen Normen der Ausbau von Arbeitsstätten und den Umgang mit gefährlichen Stoffen geregelt. Auch die Arbeitszeit pro Woche hat sich reduziert und es gibt immer häufiger die Möglichkeit, die Arbeit kurzzeitig auszusetzen oder zu verkürzen.
  6. Höheres Bildungsniveau Die Lebenserwartung steigt auch mit dem Bildungsstand. Viele Studien belegen, dass Gebildete mehr auf ihre Gesundheit achten als Geringqualifizierte. Die sogenannten Vorreiter ernähren sich besser, treiben mehr Sport, gehen häufiger zu Vorsorgeuntersuchungen, engagieren sich mehr für die Allgemeinheit und haben damit ein erfüllteres Leben – alles Faktoren, die sich positiv auf ihre Lebenserwartung auswirken. Verkehrsunfälle, Morde oder Selbstmorde sind unter den Vorreitern ebenfalls wesentlich seltener als in den übrigen Bevölkerungsgruppen.
    Und natürlich wirken sich auch die unterschiedlichen ökonomischen Rahmenbedingungen aus: Ein höheres Bildungsniveau bedeutet zumeist ein besseres Einkommen, die Qualifizierten können sich folglich eine bessere medizinische Versorgung leisten. Zudem haben Gutverdiener weniger Existenzsorgen und arbeiten in körperlich weniger belastenden Berufen, so dass sie geringen Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind als Geringqualifizierte.
  7. Bessere soziale Fürsorge Dass die Deutschen immer älter werden, ist auch dem flächendeckenden Fürsorgesystem zu verdanken. Es garantiert ein menschenwürdiges Existenzminimum und schützt Notleidende vor Armut und Elend. Wichtigster Träger der Fürsorge sind die gesetzlichen Sozialversicherungen, deren Aufbau 1883 unter Bismarck begann. Bis dahin lag die Armenfürsorge vor allem in den Händen der Gemeinden, Kirchen und privaten Wohlfahrtsorganisationen, die mit der zunehmenden Verelendung vieler Menschen überfordert waren.
    Leistungsumfang und Versicherungsschutz haben sich seit Bismarck kontinuierlich verbessert. Während sich etwa die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung 1925 noch auf 1,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beliefen, stieg der Anteil über 3,2 Prozent im Jahr 1960 auf heute rund 6,5 Prozent. Mit der Pflegeversicherung, die als letzte 1995 eingeführt wurde, erhalten auch Pflegebedürftige Sach- oder Geldleistungen, die ein weitgehend selbstständiges und selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter ermöglichen.Der 29. Februar ist also einer von vielen geschenkten Tagen: Denn unsere Lebenserwartung ist deutlich höher als wir denken.
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