Homeoffice: Was du beachten solltest

Homeoffice: Was du beachten solltest

11. September 2016

Zuhause Arbeiten – das klingt nach mehr Selbstbestimmung und Freiheit in einer immer anspruchsvolleren Berufswelt. Job-E-Mails auf dem Balkon checken, Team-Besprechung per Video-Konferenz am Küchentisch abhalten oder die Kundentelefonate gemütlich vom Sofa aus erledigen. Aber was passiert, wenn etwas schief läuft?

Im digitalen Zeitalter lassen sich viele Jobs zumindest teilweise von jedem Ort erfüllen. Diese Flexibilität kommt den Berufstätigen zugute, aber auch Firmen profitieren davon, nicht für jeden Mitarbeiter einen festen Arbeitsplatz freihalten zu müssen. Laut Digitalverband Bitkom würden mehr als 60 Prozent der Deutschen am liebsten ihre Arbeit von zu Hause aus erledigen – entweder täglich oder zumindest an einigen Tagen. Deutschland ist auf diesem Gebiet sogar noch Entwicklungsland: Nur 7,6 Prozent aller abhängig Beschäftigten machten 2013 laut Statistischem Bundesamt vom Homeoffice Angebot Gebrauch. Experten rechnen jedoch damit, dass die Zahl der „Heimarbeiter“ weiter steigen wird.

Bei Homeoffice auf den Versicherungsschutz achten
Die Chancen für das Homeoffice stehen also gut. Viele moderne Arbeitgeber schätzen die Vorteile für beide Seiten und unterstützen das Modell. Doch Achtung: Wer in Absprache mit seinem Chef eigenverantwortlich die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zieht, sollte sich vorab gut über die Bedingungen informieren, um keine unangenehmen Überraschungen zu erleben. Ein wichtiges Thema ist der Versicherungsschutz. Hier gelten im Schadensfall für die Arbeit von zu Hause ganz andere Bedingungen als im Büro oder auf Dienstreise.

Der Gang in die Mittagspause ist kein Arbeitsweg
Kommt es zu einem Unfall während der Arbeitszeit in den eigenen vier Wänden, wird es ein wenig kompliziert. Denn die gesetzliche Unfallversicherung gilt in der Regel nur während der beruflichen Tätigkeit, deckt jedoch Wege im Unternehmen und außerhalb, die unmittelbaren Arbeitsbezug haben, mit ab. Bei Heimarbeit hingegen ist der Unfallschutz noch stärker eingeschränkt. Die Wege rund um das häusliche Arbeitszimmer sind nicht abgesichert. Wer sich beispielsweise auf dem Weg in die Küche zur Mittagspause den Fuß verknackst, hat das Nachsehen. Der Gang zur Firmenkantine ist hingegen versichert – im Gegensatz zum Aufenthalt in der Kantine selbst. Für das Homeoffice gilt: Erst ab dem Verlassen des häuslichen Lebensbereichs, etwa auf dem direkten Weg zu einer Besprechung in die Firma, würde im Falle eines Falles hinter der heimischen Haustür die gesetzliche Unfallversicherung wieder einspringen.

Private Unfallversicherung übernimmt
Wer hier auf Nummer sicher gehen will, für den empfiehlt sich eine private Unfallversicherung, die die Lücken im Versicherungsschutz schließt. Die AachenMünchener Versicherung bietet ein Paket, mit dem die finanziellen Folgen eines Unfalls zu Hause und in der Freizeit umfangreich aufgefangen werden. Dazu zählen zum Beispiel Schmerzensgeld bei Knochenbrüchen, eine lebenslange Unfall-Rente und außergewöhnlich hohe Leistungen bei Invalidität. Detaillierte Informationen rund um den Unfallschutz der AMV gibt es hier: https://www.amv.de/unfallversicherung/

Firmeneigenes Equipment beschädigt – wer kommt dafür auf?
Das Homeoffice gewährt mehr Freiraum, ist aber auch mit mehr Verantwortung verbunden. Das bringt noch weitere Versicherungsfragen mit sich: Wer haftet eigentlich, wenn bei einem Einbruch der vom Arbeitgeber gestellte Laptop abhandenkommt, das Firmen-Handy beschädigt wird oder ein Brand die Musterkollektion zerstört? Hier kommt es immer auf den individuellen Sachverhalt an, der von Fall zu Fall genau geklärt werden muss. In der Regel gelten die allgemeinen Grundsätze der Arbeitnehmerhaftung, die danach bewertet werden, ob der Beschäftigte vorsätzlich oder mit mittlerer bzw. leichter Fahrlässigkeit gehandelt hat. Für leichte Fahrlässigkeit – darunter fallen Schäden, die grundsätzlich jedem bei sorgfältiger Arbeit passieren können – haftet der Arbeitgeber. Wenn sich also trotz umfangreicher Schutzmaßnahmen der Laptop mit einem Virus infiziert hat, übernimmt möglicherweise die Firma den gesamten Schaden. Anders sieht es bei sogenannter mittlerer Fahrlässigkeit aus: Wer seinen Kaffee unachtsam über das Firmen-Tablet schüttet, muss meistens zumindest einen Anteil der entstandenen Kosten übernehmen. Der Fallstrick dabei: Der Arbeitnehmer muss den Sachverhalt des jeweiligen Vorfalls nachweisen. Dabei lässt nicht immer eindeutig klären, ob ein Schaden unverschuldet, durch leichte oder sogar grobe Fahrlässigkeit entstanden ist.

Insgesamt gilt also fürs Homeoffice: Vorab unbedingt klare Absprachen mit dem Arbeitgeber treffen, den eigenen Versicherungsschutz überprüfen und gegebenenfalls nachrüsten. Dann kann man von der Flexibilität im Arbeitsleben profitieren.

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat 1994 festgelegt, dass die Haftung des Arbeitnehmers bei jeder betrieblich veranlassten Tätigkeit beschränkt ist (Beschluss vom 27.9.1994, Az. GS 1/89). Dabei wird durch das BAG – in Analogie zu § 254 BGB – eine Schadenseinteilung in drei Stufen nach dem Grad des Verschuldens vorgenommen (sogenannte „Quotenbildung“):

  • Danach haftet der Arbeitnehmer bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit voll (Quote für den Arbeitnehmer: 100 Prozent),
  • ist bei mittlerer Fahrlässigkeit der Schaden zu teilen (Quote zwischen 1 und 99 Prozent – je nach Sachverhalt)
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