Die Versicherung zahlt alles!

Die Versicherung zahlt alles!

23. August 2016

Es ist die Albtraumszenerie vieler Autofahrer: Eine Nebelwand, Glatteis auf der Straße, ein fataler Massencrash. Doch wer kommt am Ende für den entstandenen Schaden auf? Diese Frage kann oft nicht beantwortet werden. Im Nachhinein lässt sich – bedingt durch die chaotische Situation – meist gar nicht ermitteln, wer der Verursacher war. Autofahrer, die in so einen Extremunfall verwickelt werden, müssen sich darüber keinen Kopf mehr machen. Seit November 2015 bieten die Kfz-Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nämlich ein vereinfachtes Verfahren an, um die Schäden zu regulieren. Somit wurden auch die Rechte der Autofahrer gestärkt. Uwe Cremerius, Leiter Kraftfahrt/Schaden der AachenMünchener, erklärt im Interview die Details.

AMV: Was genau hat sich nach der Vereinfachung der Schadensregulierung verändert?
Cremerius:
Die Versicherung zahlt alles! Sowohl Blech- als auch Personenschäden. Jeder, der in einen Massencrash verwickelt ist, bekommt 100 Prozent der Kosten ersetzt – auch wenn man keine Kaskoversicherung abgeschlossen hat. Die Schäden werden jeweils vom eigenen Kfz-Versicherer  jedes beteiligten Fahrzeugs reguliert. Der Versicherer, dem der Kunde sein Vertrauen geschenkt hat, ersetzt ihm auch den gesamten Schaden. Sogar der Schadensfreiheitsrabatt des Halters bleibt davon unberührt.

AMV: Was ist noch neu?
Cremerius:
Grundsätzlich sinkt die Hürde für die Anerkennung als Massenunfall von 50 auf 40 Fahrzeuge. Der Versicherungsschutz wird fortan also schneller und nach Prüfung auch bei nicht ganz so gravierenden Fällen aktiviert.

AMV: Stimmt es, dass es in Ausnahmefällen zudem möglich sein soll, bereits ab einer Anzahl von 20 Fahrzeugen von einem Massenunfall zu sprechen?
Cremerius:
Das ist richtig. Wenn besondere Unfallumstände vorliegen – zum Beispiel eine dichte Nebelbank – und zwischen 20 und 39 Fahrzeugen in die Karambolage verwickelt waren, entscheiden fortan drei Fachleute des GDV kurzfristig, ob die neue Regelung auch bei dieser Anzahl greift. Fakt ist in diesem Zusammenhang ja auch, dass in ganz bestimmten Fällen der Unfallverursacher eben doch eindeutig ermittelt werden kann. Zum Beispiel, wenn ein LKW in ein Stauende fährt und diverse Autos zusammenschiebt.

AMV: Was für weitere Kriterien müssen noch erfüllt sein, damit man von einem Massenunfall sprechen kann?
Cremerius:
Es darf grundsätzlich keinen identifizierbaren Unfallverursacher geben und es muss ein enger räumlicher und zeitlicher Zusammenhang beim Unfallgeschehen bestehen.

AMV: Wie sah es vor der Neuregelung aus?
Cremerius:
Da trugen die im GDV organisierten Kfz-Versicherer nur bei einem reinen Heckschaden auch 100 Prozent der Kosten. Zwei Drittel wurden bei Schäden an Front und Heck sowie bei Totalschäden übernommen, bei einem reinen Frontschaden waren es nur 25 Prozent. Außerdem waren nicht die eigenen Kfz-Haftpflichtversicherer, sondern andere beauftragte Versicherungsunternehmen für die Schadensregulierung zuständig. Die bereits vor ein paar Jahren eingeführte FahrerPlus-Versicherung, eine Produktinnovation der AachenMünchener, hat dann die rechtliche Grundlage geschaffen, die Massenschadensregulierung für den Kunden weiter zu optimieren.

AMV: Massencrashopfer haben also jetzt ein paar Sorgen weniger?
Cremerius:
Sie haben weniger Sorgen und dafür viel mehr Rechte als vorher. Außerdem kommen sie nicht mehr in Beweisnot, wer den Schaden den nun verursacht bzw. ausgelöst hat. Selbst wenn der schlimmste Fall eintritt und Versicherte bei dem Unfall ihr Leben lassen, haben Hinterbliebene wie Ehepartner oder Kinder fortan klar formulierte  Ansprüche und sind finanziell umfänglich abgesichert. Nur das persönliche Leid können wir leider auch weiterhin nicht mildern.

 

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