So wichtig sind Soft Skills und technisches Know-how für die Karriere

So wichtig sind Soft Skills und technisches Know-how für die Karriere

20. November 2017

Universitäre Bildung wird in Deutschland großgeschrieben, ist aber laut einer aktuellen Studie des Karrierenetzwerks LinkedIn auf dem heutigen Berufsmarkt nicht mehr das Hauptkriterium. Viel wichtiger sind Soft Skills. Sie werden oft höher bewertet als fachliches Know-how. Die Arbeitslosenquote von Akademikern ist hierzulande aber so gering wie lange nicht mehr. Warum sich das nicht widerspricht? Wir gehen der Sache auf den Grund.

Human Capital Report 2017

Das Weltwirtschaftsforum legte kürzlich seinen Human Capital Report 2017 vor, in dem Deutschland den sechsten von 130 Plätzen belegt. Der Bericht bewertet Länder danach, wie gut sie Arbeitnehmer mit Wissen und Kompetenzen ausstatten, damit sie erfolgreich auf dem globalen Arbeitsmarkt bestehen können. Zu den ausschlaggebenden Faktoren gehören neben fachlich-technischem Know-how auch Soft Skills. Der Begriff beschreibt die sozialen Talente eines Menschen, die beispielsweise wichtig für Personalführung, das gemeinsame Entwickeln von Ideen und ein kollegiales Miteinander sind.

Eine Neuerung beim Report ist die Zusammenarbeit mit LinkedIn. Das Karrierenetzwerk lieferte interessante Daten zum Thema Soft Skills und identifizierte rund 50.000 unterschiedliche „weiche“ Fähigkeiten bei seinen Nutzern. Diese wurden anhand von Angebot und Nachfrage ausgewertet, um ein Skill-Profil zu erstellen, welches die wirklich notwendigen Fähigkeiten eines erfolgreichen Arbeitnehmers aufzeigt. Dazu gehören demnach soziale Kompetenzen wie Führungsqualitäten und Kundenumgang, aber auch technische Fähigkeiten wie der Umgang mit Microsoft Office, Word und Excel. Sicheres Auftreten und grundlegende Recherchefähigkeiten sind ebenfalls begehrte Soft Skills.

Talentkrise und lebenslanges Lernen

„Die Vierte industrielle Revolution verändert nicht nur die Arbeitswelt, sie erzeugt auch enormen Bedarf an neuen Fähigkeiten. Damit steht uns eine globale Talentkrise ins Haus“, warnt Prof. Klaus Schwab, Gründer und Vorsitzender des Weltwirtschaftsforums in einer aktuellen Pressemeldung zum Human Capital Report. „Wir brauchen ein neues Denken und eine echte Revolution, um unsere Bildungssysteme auf die Anforderungen der Zukunft einzustellen.“ Saadia Zahidi, Verantwortliche für den Human Capital Report, ergänzt: „Strategien zur Entwicklung von Humankapital müssen demografische Strukturen berücksichtigen. Darüber hinaus ist es aber wichtig, einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen, der das gesamte Kontinuum von der Ausbildung zum Beruf und zum lebenslangen Erwerb von Wissen und Fähigkeiten abdeckt – sonst entstehen schnell ‚verlorene Generationen‘.“

Die Prognosen sprechen eine deutliche Sprache: Soft Skills werden in den kommenden 10 Jahren noch an Bedeutung gewinnen und einen hohen Prozentsatz der Anforderungen an einen Arbeitnehmer ausmachen:

  • Funktionsübergreifende Kompetenzen: heute 66,8 Prozent, in 10 Jahren 82 Prozent
  • Gesprächs- und Verhandlungsführung: heute 72,7 Prozent, in 10 Jahren 79 Prozent
  • Team- und Mitarbeiterführung: heute 70 Prozent, in 10 Jahren 76,4 Prozent
  • Kritikfähigkeit: heute 76,6 Prozent, in 10 Jahren 76 Prozent
  • Interkulturelle Kompetenzen: heute 66,8 Prozent, in 10 Jahren 74,6 Prozent

 Warum Soft Skills?

Unternehmen fordern immer mehr von ihren Mitarbeitern und auch die Arbeitsbedingungen werden zunehmend komplexer, da reicht Fachwissen allein nicht mehr aus. Gesucht werden daher laut Bericht Menschen, die nicht nur auf ihrem fachlichen Gebiet spitze sind, sondern auch über die entsprechenden Soft Skills verfügen: Zielorientierte Teamplayer mit schneller Auffassungsgabe. Organisationstalente, die unternehmerisch denken und ihre Vorhaben ehrgeizig und mit kreativen Lösungsansätzen verfolgen.

Soft Skills und technisches Know-how gehören mittlerweile zu den wichtigsten Differenzierungskriterien und bieten bei der Jobsuche einen beachtlichen Wettbewerbsvorteil. Sie sind das Zünglein an der Waage und machen den Arbeitnehmer vielseitig einsetzbar.

Akademiker immer noch gefragt

Aber wie lässt sich die wachsende Bedeutung von Soft Skills mit der sinkenden Arbeitslosenquote von Akademikern in Einklang bringen? Neben der hohen Soft-Skill-Nachfrage herrscht gleichzeitig ein großer Bedarf an Spezialisierungen. Die LinkedIn-Studie zeigt, dass die jüngeren Generationen ihr Studium viel spezialisierter aufbauen und sich so Nischenwissen aneignen, das sie von anderen Bewerbern unterscheidet.

Diese Strategie zahlt sich aus: Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) lag die Arbeitslosenquote von Akademikern 2016 bei 2,3 Prozent. Damit sank sie um 0,1 Punkte im Vergleich zum Vorjahr und ist die niedrigste Quote seit 1980. Damals waren 1,8 Prozent der Hochschulabgänger ohne Job.

„Je höher die Qualifikation, desto besser ist die Position auf dem Arbeitsmarkt“, erklärt IAB-Forscher Enzo Weber dem Magazin Spiegel. „Das gilt in Zukunft umso mehr, da die Anforderungen in der Arbeitswelt weiter steigen werden, nicht zuletzt durch die Digitalisierung.“ Können Bewerber neben einer speziellen, fachlichen Kompetenz dann auch noch durch beeindruckende Soft Skills punkten, haben sie den Job so gut wie sicher in der Tasche.

Bild: skynesher/istock

 


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