Studie zeigt: Alleinerziehende ziehen ihre Kinder ebenso gut groß wie Paare

Studie zeigt: Alleinerziehende ziehen ihre Kinder ebenso gut groß wie Paare

8. Dezember 2017

Laut Statistischem Bundesamt waren 2014 rund 20 Prozent der 8 Millionen in Deutschland lebenden Familien alleinerziehend, Tendenz steigend. Während viele Eltern erst durch die Trennung vom Partner in diese Situation kommen, haben sich manche Mütter mithilfe moderner Reproduktionsmedizin bewusst für ein Leben als „Single Parent“ entschieden. Doch was hat das für einen Einfluss auf das Kind?

Eine Studie der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) hat sich mit der Entwicklung und dem Wohlergehen von Kindern beschäftigt, deren Mütter freiwillig alleine erziehen und ist zu dem Schluss gekommen: Es gibt keinen Unterschied zur klassischen, heterosexuellen Zwei-Eltern-Familie.

„Den Kindern in beiden Familien-Konstellationen geht es gut“, berichtet Mathilde Brewaeys von der VU Amsterdam, die an der Studie beteiligt war, laut ScienceDaily. „Freiwillig alleinerziehende Mütter und ihre Kinder profitieren von einem guten sozialen Netzwerk, was in der Beratung von Frauen, die ein Kind ohne einen Partner haben und großziehen wollen, betont werden sollte.“

Die Studie der belgischen Forscher hat 69 freiwillig alleinerziehende Mütter mit 59 Müttern aus klassischen Kernfamilien verglichen, die Kinder zwischen anderthalb und 6 Jahren haben. Gegenstand der Untersuchung waren:

  • Qualität der Mutter-Kind-Beziehung
  • Soziales Netzwerk der Mütter
  • Wohlergehen der Kinder

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass es keine nennenswerten Unterschiede hinsichtlich des Engagements und Stresslevels der Mütter in beiden Konstellationen gab. Im Gegensatz dazu hatten die alleinerziehenden Mütter ein deutlich engeres soziales Netzwerk aufgebaut, bekamen mehr Hilfe aus dem Umfeld und forderten auch mehr ein. In Bezug auf Entwicklung und Verhalten der Kinder gab es keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen.

Daraus schließt Mathilde Brewaeys: „Die Annahme, dass es für Kinder nicht gut sei, ohne Vater aufzuwachsen, beruht häufig auf Studien über Scheidungskinder, deren Eltern zerstritten sind. Es liegt nahe, dass negative Einflüsse auf das Kind mehr durch eine schwierige Eltern-Kind-Beziehung bedingt sind als durch eine Abwesenheit des Vaters.“

Brewaeys betont auch, dass ein Großteil der Frauen, die mittels Kinderwunschbehandlung ohne Partner ein Kind bekamen, es vorgezogen hätten, in einer festen Beziehung Eltern zu werden. Dies sei jedoch aufgrund des fortgeschrittenen Alters nicht möglich gewesen. Die meisten Studienteilnehmerinnen hatten außerdem einen stabilen finanziellen Hintergrund vorzuweisen sowie mehrere dauerhafte Beziehungen in der Vergangenheit. 

Die Situation der unfreiwillig Alleinerziehenden

Das Fazit der Studie: Offenbar ist die temporäre oder dauerhafte Abwesenheit eines Elternteils weniger entscheidend für das Wohlergehen des Kindes, als vielmehr die Bindungsqualität zum vorhandenen Elternteil. Dies ist auch für Familien relevant, die unabsichtlich alleinerziehend geworden sind und möglicherweise mit der neuen Familiensituation hadern. Dass es für Kinder sogar besser sein kann, wenn sich ihre permanent streitenden Eltern zu einer Trennung entschließen und sich das häusliche Klima wieder entspannt, stellt Psychologe Stefan Rücker im Gespräch mit Zeit Online fest: „Wir dürfen Eltern nicht das Gefühl geben, dass sie ihren Kindern auf jeden Fall etwas Böses antun, wenn sie sich trennen. Oft ist es ja auch im Sinne des Kindeswohls, wenn die Eltern auseinandergehen. Wir erleben in unserer Forschung auch viele Positivbeispiele. Eltern, die weiter gut miteinander kommunizieren und Kinder, die sich wunderbar entwickeln.“

Der Experte, der im Auftrag des Familienministeriums die besten Bedingungen für Kinder nach einer Trennung erforscht, betont auch die Wichtigkeit des sozialen Netzwerks für Alleinerziehende: „Wenn es möglich ist, sollten die Eltern nicht allzu weit wegziehen, damit andere Bezugspersonen, Omas und Opas, Erzieher, Lehrer und Freunde, den Kindern erhalten bleiben.“ Um die Kommunikation zwischen beiden Elternteilen zu verbessern oder zu erhalten, gäbe es außerdem die Möglichkeit einer Mediation durch das Jugendamt – eine Option, die laut Rücker aktuell noch zu wenige Familien wahrnehmen würden.

Bild: Jenn Evelyn-Ann/unsplash

 

 


 

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Mutter, Vater, Kind – diese klassische Familienkonstellation gibt es mittlerweile deutlich seltener als früher. Vor allem Frauen erziehen ihre Kinder häufig ohne männlichen Gegenpart. Wer alleinerziehend ist, muss den schweren Balanceakt zwischen Job und Familie ganz alleine meistern. Umso wichtiger ist es, für den Ernstfall richtig abgesichert zu sein. 

 

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