Digitalisierung: Kümmern sich bald Pflegeroboter um unsere Senioren?

Deutschland ist überaltert und Pflegepersonal rar gesät: Diese Problematik versucht die Bundesregierung mit einem neuen Gesetz in den Griff zu bekommen. Doch der Blick wendet sich möglicherweise auch in Richtung Technik. In Japan sind schon seit längerem Pflegeroboter im Einsatz. Eine Alternative, die vielleicht auch in unseren Altersheimen bald Einzug hält?

Im April 2017 hat das Bundeskabinett einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der Patienten und Pflegenden zu einer besseren Versorgung und zu akzeptableren Arbeitsbedingungen verhelfen soll. Demnach müssen Krankenhäuser künftig auf bestimmten Stationen, wie etwa der Intensivstation, eine Mindestanzahl an Personal stellen. Das Grundproblem behebt der politische Vorstoß damit jedoch nicht. Laut Bundesamt für Statistik gab es im Jahr 2015 etwa 3 Millionen pflegebedürftige Menschen in Deutschland ‒ der höchste Wert seit 1999, Tendenz steigend. Eine weitere Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung sowie des Statistischen Bundesamtes stellte 2010 außerdem fest, dass:

  • bis 2025 rund 200.000 Pflegekräfte fehlen werden.
  • sich dieser Wert bis 2030 auf etwa 480.000 erhöhen wird.

Digitales Helferlein

Alarmierende Zahlen, die zwingend Lösungen erfordern. Rettung hält unter anderem die digitale Technik bereit. In Japan kommen beispielsweise Pflegeroboter zum Einsatz, die Senioren in Altenheimen beim Waschen, Essen und Ankleiden helfen. Die humanoiden Aushilfspfleger sind darüber hinaus in der Lage, Mimik und Gestik zu erkennen und entsprechend auf den Patienten zu reagieren. Auch das Durchführen von Reha-Einheiten wie Sitzgymnastik ist mit der richtigen Programmierung möglich.

Gegen das Vergessen

In der Geriatrie unterstützt der Robotertyp Paro in Fernost das Pflegepersonal. Äußerlich ähnelt er einem süßen Robbenbaby und bewegt sich, sobald sich ihm Personen nähern oder diese sich bewegen. Wird die Robo-Robbe gestreichelt, schnurrt sie und bewegt den Kopf. Auf diese Weise sollen Demenz– und Alzheimerkranke zu mehr Interaktion animiert werden. Die Entwicklung von Paro erfolgte unter Einbeziehung von Erkenntnissen aus der Tiertherapie.

Angst vor dem Unbekannten

Könnten Pflegeroboter also auch in unseren Altenheimen bald zum Alltag gehören? So schnell wahrscheinlich nicht. Zurzeit werden Prototypen bestenfalls in Testprojekten eingesetzt und das mit eher durchwachsenem Erfolg. Nichtsdestotrotz zeigen die Beispiele aus Japan, dass moderne Technologien im Pflegenotstand theoretisch Abhilfe schaffen können. Viele Menschen stehen der Digitalisierung im Gesundheitswesen jedoch kritisch gegenüber. Eine Institut Demoscope-Umfrage, die von der reformierten Kirche in der Schweiz in Auftrag gegeben wurde, belegt dies. Demzufolge gaben 84 Prozent der Befragten an, dass humanoide Roboter Patienten nicht bei der Körperpflege unterstützen sollen. Dagegen begrüßten lediglich 19 Prozent deren Einsatz in Krankenhäusern.

Bild: JIRAROJ PRADITCHAROENKUL/istock

 


Pflegereform

Immer mehr Menschen beanspruchen Leistungen

Die Zahl der Menschen, die Leistungen aus der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen, ist stark gestiegen. Wie der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) im September mitteilte, haben von Januar bis Juli 2017 175.000 mehr Menschen erstmals Pflegeleistungen erhalten, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.