Eltern haften für ihre Kinder? Der Fakten-Check

Autos zerkratzen, teure Vasen umschmeißen oder ein Smartphone fallen lassen: Der kleine Tim ist erst sechs Jahre alt, aber mit wenig Aufwand kann er trotzdem einen richtigen Schaden verursachen – und wer zahlt jetzt?

Ob beim Klettern im Wald oder im Schwimmbad des Nachbarn: Kinder sollen spielen und sich austoben. Doch wer kommt für den Schaden auf, wenn die kleinen Racker Mist bauen? Jeder kennt sicher das Baustellenschild „Eltern haften für ihre Kinder“ – aber stimmt das wirklich? Nein, denn es trifft nur auf bestimmte Fälle zu. Ob Eltern haften, hängt vom Alter des Kindes, der konkreten Situation und dem Verhalten der Eltern ab.

Kinder unter sieben Jahre sind nicht haftbar
Die Kosten für ein kaputtes Handy kann man vielleicht noch verkraften, doch wenn der Nachwuchs einen Unfall verursacht oder mit Feuer im Wald herumspielt, können die Kosten schnell in die Höhe schnellen. Was viele nicht wissen: Unter sieben Jahren können Kinder nicht für Schäden haftbar gemacht werden. Im Straßenverkehr liegt die Grenze sogar bei zehn Jahren. Müssen jetzt die Eltern zahlen? Ja, aber nur wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben.

Eltern müssen Aufsichtspflicht einhalten
Egal, ob unter sieben Jahren oder älter: Wenn Minderjährige nicht korrekt beaufsichtigt wurden, werden die Eltern zur Kasse gebeten. Doch was bedeutet Aufsichtspflicht? Generell dient sie dem Schutz außenstehender Dritter vor Schäden, die Kinder verursachen. Soweit so gut. Ein paar Beispiele machen es konkreter: An einem See sollten Minderjährige nicht alleine baden. Auf einem Spielplatz reicht ab einem Alter von vier Jahren ein Kontrollblick alle 15 bis 30 Minuten. Im Straßenverkehr sollte man darauf achten, dass die Knirpse nicht einfach auf die Fahrbahn laufen und möglicherweise einen Unfall verursachen. Hinzu kommt der Charakter des Kindes selbst: Ein Zappelphilipp braucht mehr Aufsicht und Ermahnungen als ein vernünftiges Kind. Wie so oft hängt es am Ende von dem konkreten Einzelfall ab, wie ein Gericht entscheidet.

Jugendsünden können teuer enden
Haben die Eltern ihre Pflichten ordnungsgemäß erfüllt, können sie nicht haftbar gemacht werden. Die Haftungsfrage ist wieder beim Kind. Ist dieses unter sieben Jahre, kann es wie bereits erwähnt, grundsätzlich nicht zur Kasse gebeten werden. In solchen Fällen hat der Geschädigte Pech gehabt und bleibt im Zweifel auf den Kosten sitzen. Eine unangenehme Situation für die Eltern. Es gibt aber auch Haftpflichtversicherungen, die in so einem Fall die Kosten übernehmen. Hier sollte man auf eine ausreichende Schadenshöhe achten.

Doch wie sieht es bei Minderjährigen über sieben Jahre aus? Hier kommt es auf die Einsichtigkeit des Kindes an: War es in der Lage das Risiko selbst einzuschätzen? Grundsätzlich gilt hier die Regel: Je älter der Nachwuchs, desto eher haften sie selbst. Im schlimmsten Fall muss das Kind den Schaden später mit seinem eigenen Einkommen begleichen.

Die Fakten im Überblick

  • Verletzen Eltern ihre Aufsichtspflicht, müssen sie für Schäden, die ihre Kinder verursachen aufkommen.
  • Eltern können sich mit der Haftpflichtversicherung gegen Schäden, die ihre Kinder verursachen absichern.
  • Kinder unter sieben Jahren können niemals selbst haftbar gemacht werden.
  • Kinder über sieben Jahren können haftbar gemacht werden, wenn sie das Risiko selbst einschätzen konnten und die Eltern ihre Aufsichtspflicht eingehalten haben.

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